Was ich vom Natural Horsemanship für die Schule gelernt habe

Mai 2024

Ich bin zum Natural Horsemanship gekommen, in einer Zeit, in der ich als Schulleiterin mit vielen Herausforderungen zu kämpfen hatte. Es war eine schwierige und belastende Zeit. In diesen Momenten erinnerte ich mich an meine Jugend und an das, was mich damals begleitet hat – die Pferde. Aus diesem Gedanken heraus begann ich mit Horsemanship und erkannte später, dass vieles, was ich dort lernte, sich auch auf das Klassenzimmer übertragen lässt.

Pferde als Herdentiere und die menschliche Natur

Pferde sind Herdentiere und funktionieren im Kern unseres archaischen Selbst sehr ähnlich wie Menschen. Das Natural Horsemanship zielt darauf ab, mit Pferden in Beziehung zu treten und Kooperation zu erreichen, ohne Zwang auszuüben. Diese Methode basiert darauf, dass das Pferd freiwillig mit einem arbeitet, was eine sehr tiefergehende und respektvolle Kommunikation erfordert.

Beziehungen aufbauen und pflegen

In meiner Erfahrung als Schulleiterin und Lehrkraft habe ich festgestellt, dass auch im Klassenzimmer alles über Beziehungen läuft. Häufig vernachlässigen wir diesen Aspekt aus Zeitgründen, was zu Unruhe und Konflikten führen kann. Bei Pferden ist es so: Wenn man von ihnen etwas möchte, ohne in einer guten Beziehung zu stehen, reagieren sie mit Widerstand oder verweigern die Zusammenarbeit. Wenn man einmal die Erfahrung gemacht hat, wie es sich anfühlt, wenn ca. 500 Kilo nicht kooperieren möchten, ist das sehr eindrücklich. 

Eine gute Beziehung aufzubauen, erfordert Zeit und Aufmerksamkeit. Es bedeutet, die Bedürfnisse der Schüler zu erkennen und zu respektieren. Wenn wir in der Schule direkt mit Aufgaben und Anforderungen starten, ohne vorher eine Beziehung aufgebaut zu haben, fühlen sich die Schüler oft überfordert und nicht verstanden. Im Natural Horsemanship lernt man, dass Pferde auf Druck mit Rückzug reagieren, während sie auf einfühlsame Führung mit Kooperation antworten. Genauso ist es bei Schülern: Wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Lehrer sie wirklich kennen und respektieren, sind sie viel eher bereit, mitzuarbeiten und sich anzustrengen.